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18MethodeProdukt-Audit · 3 Min. Lesezeit

Produkt-Audit – der Blick von außen auf das eigene Produkt

Ob Markteinführung, Relaunch oder Serienübergabe eines Prototyps – das eigene Produkt soll sich nicht erst am Kunden bewähren müssen. Wir bringen einen technischen Blick von außen und die Erfahrung aus einer breiten Querschnittsmaterie mit ein. Diese Beurteilung fällt im eigenen Haus oft schwer, weil dort jede Konstruktionsentscheidung einen Grund hat und man diesen kennt.

Wer ein Produkt über Jahre betreut, kennt jede Konstruktionsentscheidung und den Grund, aus dem sie damals so getroffen wurde. Diese Nähe macht ihn zum besten Anwalt seines Produkts, versperrt ihm aber den Blick eines Käufers, der es zum ersten Mal in die Hand nimmt. Ein Produkt-Audit füllt diese Lücke: Ein erfahrener Ingenieur bewertet das Produkt entlang von fünf Achsen, ohne die Vorgeschichte im Kopf.

Ein Audit ersetzt keinen Prüfbericht und kein Zertifikat. Es prüft, ob die einschlägigen Normen eingehalten sind – die Bewertung, ob damit die Pflichten des Herstellers rechtlich erfüllt sind, bleibt beim Auftraggeber und seiner Rechtsberatung.

Ein Produkt in der Mitte, aus dem fünf Achsen strahlen — je eine für Funktion, Konstruktion und Herstellbarkeit, Anmutung, voraussichtliche Herstellkosten und Risiken bei Normen und Konformität.Ihr ProduktFunktionMacht es, wozu es angeschafft wird?· Kernnutzen· Randfälle· WiederholbarkeitKonstruktionIst es solide und herstellbar gebaut?· Werkstoff· Toleranzen· Fügetechnik· WartungAnmutungWie fühlt es sich beim ersten Griff an?· Bedienung· Haptik· Oberfläche· FügespaltenHerstellkostenWas sollte es voraussichtlich kosten?· Bearbeitung· Teileanzahl· Should-CostNormenWelche Regeln greifen, wo besteht Handlungsbedarf?· CE· harmonisierte Normen· Kennzeichnung
Fünf Achsen, ein Bericht: Funktion, Konstruktion, Anmutung, Herstellkosten und Normen-Risiken werden getrennt bewertet und im Kontext zueinander eingeordnet.

Fünf Achsen, ein Bericht

Funktion. Erfüllt das Produkt seinen bestimmungsgemäßen Zweck – auch an den Rändern, bei atypischer Bedienung und über viele Nutzungszyklen? Ein Werkzeug, das nach hundert Zyklen anders arbeitet als nach einem, hat ein Funktionsproblem, das in der eigenen Erprobung selten auffällt.

Konstruktion und Herstellbarkeit. Was ein Ingenieur beim Zerlegen liest: Werkstoffwahl, Wandstärken, Toleranzen, Fügetechnik, Zugänglichkeit für Montage und Wartung. Auf dieser Achse fällt auch auf, wenn ein Produkt aus zwei Konstruktionsphasen besteht, weil ein Teil einmal geändert wurde und die Umgebung nicht mitgezogen hat.

Anmutung. Fügespalten, Kantenradien, Oberflächen, das Klicken eines Deckels, das Gewicht in der Hand – Größen, die über den ersten Eindruck eines Käufers entscheiden. Große Unternehmen bewerten das mit eigenen Abteilungen für Anmutungsqualität und Nutzer-Panels; das Audit liefert das Fachurteil dort, wo ein Panel nicht in Frage kommt.

Voraussichtliche Herstellkosten. Nicht die tatsächlichen – die kennt der Auftraggeber besser als jeder Externe. Aber die voraussichtlichen lassen sich aus Werkstoff, Bearbeitung, Teilezahl und Fügetechnik ableiten. Wo unsere Schätzung deutlich unter oder über den tatsächlichen Kosten liegt, stellt sich eine Frage: Entweder ist die Kalkulation zu grob, oder es gibt im Prozess einen Grund, den der Auftraggeber kennen sollte. Die Methode ist in der Automobilzulieferung unter dem Namen Should-Costing seit Jahrzehnten Standard.

Risiken bei Normen und Konformität. Welche harmonisierten Normen greifen für dieses Produkt, welche Kennzeichnungen, welche Konformitätsverfahren? Ab dem 20. Januar 2027 gilt für Maschinen ausschließlich die neue EU-Maschinenverordnung 2023/1230. Das Audit nennt, was betroffen ist; die Konformitätsbewertung selbst ist eine eigene Leistung.

Wann sich das Audit lohnt

Am häufigsten kommen drei Anlässe vor. Vor einem Relaunch, wenn eine ausgelastete Entwicklungsabteilung ihre Ressourcen dort einsetzen soll, wo sie am meisten wirken. Vor einem Markteintritt in ein neues Segment oder Land, in dem bisher selbstverständliche Voraussetzungen plötzlich Hindernisse werden. Und bei einer Due Diligence, wenn ein Investor oder ein Käufer den Bericht braucht, um das Produkt mit anderen vergleichen zu können.

Was Sie am Ende bekommen

Sie erhalten einen Bericht von 15 bis 30 Seiten, der nach den fünf Achsen gegliedert ist. Zu jeder Achse stehen darin der Befund, seine Belegstelle im Produkt, die Bewertung im Kontext (grün, gelb, rot) und, wo möglich, ein Vorschlag für den nächsten Schritt. Vorangestellt ist eine zweiseitige Zusammenfassung für die Geschäftsführung, die den Befund ohne die technischen Belege zusammenführt. Dazu kommt ein Gespräch von 60 bis 90 Minuten, in dem wir den Bericht vorstellen und Rückfragen beantworten. Im Gespräch werden Verbindungen zwischen den Achsen sichtbar, die der Bericht getrennt darstellt, und aus den Rückfragen entstehen häufig die konkreten nächsten Schritte.

Der Audit-Bericht sagt, wo etwas zu tun ist. Die Umsetzung ist ein zweiter, eigener Auftrag im Bereich Engineering oder Produktentwicklung.


Quellen

  1. Nielsen, Molich – How to Conduct a Heuristic Evaluation (Nielsen Norman Group) – Fachurteil mit frischem Blick als Methode, ursprünglich für Software.
  2. Spiegel Institut Produktkliniken – etablierte Adresse im DACH-Raum für Perceived-Quality-Bewertung mit Nutzer-Panels.
  3. aPriori – Should-Cost Analysis Guide – praxisnaher Einstieg in die Kalkulation voraussichtlicher Herstellkosten.
  4. EU-Maschinenverordnung 2023/1230 – gültig ab 20. Januar 2027 anstelle der Maschinenrichtlinie.

IDEA e.U. · Determined Innovation

Ein Produkt vor Relaunch, Markteintritt oder Investorenprüfung, das eine Bewertung von außen braucht?

Je genauer Sie beschreiben, was Sie brauchen, desto genauer können wir sagen, was es kostet.

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