IDEA
← Blog
94PerspektiveAnforderungen · 2 Min. Lesezeit

Alles beginnt mit dem Kunden. Mit Ihrem Kunden!

Bevor wir beginnen, stellen wir drei Fragen: Wer kauft das Produkt, warum kauft er das Produkt, und was ist er bereit, dafür auszugeben? Diese Antworten sind die Basis jedes Projekts.

Am Beginn der Produktentwicklung steht kein technischer Prozess. Im Vordergrund steht der Mensch, der das Produkt am Ende in der Hand hält. Wer ist diese Person? Wissen Sie, was ihr wichtig ist, worauf sie achtet und welche Gründe sie hat, Ihr Produkt zu kaufen?

Beantwortet man diese Fragen, lässt sich daraus eine Anforderungsliste kondensieren, die die Wünsche des Konsumenten mit der technischen Machbarkeit und den wirtschaftlichen Gesichtspunkten verbindet. Diese Liste wird hierarchisch sortiert und begleitet das Projekt von da an als verbindliche Referenz.

Anforderungshierarchie von oben nach unten: die wichtigste Anforderung zuoberst, nachrangige darunter.Anforderungshierarchie1Look and Feel muss zum Unternehmen passen2Klima im Raum muss perfekt sein3Kosten dürfen nicht überschritten werden4Innovatives Hubsystem für den USP5Vielseitiges Design· · ·und viele weiterewichtiger
Anforderungshierarchie von oben nach unten: die wichtigste Anforderung zuoberst. Ein echtes Projekt hat viele mehr – widersprechen sich zwei, gewinnt die höhere.

Was ist der Zweck? Im Laufe der Projektabwicklung tauchen Anforderungen, Einschränkungen oder Rückschläge auf, die initial nicht abschätzbar waren. Möglicherweise stellt ein Sublieferant die Produktion eines notwendigen Bauteils ein. Oder eine scheinbar unbedeutende Änderung führt zu ungleich höheren Werkzeugkosten. Ein ungewollter chemischer Prozess führt zu Problemen in der Fertigung. Das benötigte recycelte Material ist nicht zu beschaffen.

Diese Beispiele führen in der Praxis zu Zieldefinitionskonflikten. So kann man das gewünschte Feature beispielsweise nicht innerhalb des Kostenrahmens realisieren. Jetzt kommt die Anforderungshierarchie zum Tragen: Ein Blick in die Liste verrät, welche Anforderung gewinnt, wenn Kundenanforderungen, Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit gegeneinanderstehen.

In der Forschung heißt dieses Ordnen Anforderungspriorisierung. Eine der etabliertesten Methoden, der Analytic Hierarchy Process von Thomas Saaty, folgt derselben Grundidee: Er ordnet das Entscheidungsproblem als Hierarchie aus Ziel, Kriterien und Unterkriterien und leitet über paarweise Vergleiche eine Reihung der Anforderungen ab.

„Ohne Hierarchie beginnt beim Zielkonflikt eine Diskussion. Mit Hierarchie ist die Antwort schon da.“

Welcher Art eine Anforderung ist, lässt sich mit dem Kano-Modell einordnen: Manches muss ein Produkt können, anderes steigert die Zufriedenheit proportional zur Erfüllung, wieder anderes überrascht den Kunden positiv. Wie schwer die einzelne Anforderung im Konflikt wiegt, ergibt sich aus dieser Einordnung noch nicht; diese Gewichtung bestimmen wir für jedes Projekt individuell.

Warum sich frühes Prüfen rechnet

Aus der Hierarchie kondensieren wir die technische Machbarkeit: Wir prüfen, was sich bauen lässt und wie. Die Schleife bleibt aber offen, und mit jedem Milestone stellen wir dieselbe Frage – erfüllt das, was entstanden ist, noch alle Anforderungen?

Im Qualitätsmanagement beschreibt die Zehnerregel diesen Zusammenhang als Faustregel: Mit jeder Phase, die ein Anforderungsfehler unentdeckt übersteht, verzehnfachen sich die Kosten seiner Behebung ungefähr. Eine Studie der NASA hat diesen Anstieg für komplexe Systeme quantifiziert: Kostet die Behebung in der Anforderungsphase eine Einheit, sind es im Entwurf drei bis acht, in der Fertigung bis zu sechzehn, im Test bis zu achtundsiebzig – und im Betrieb ein Vielfaches davon.

Damit ist ein großer Teil der späteren Herstellkosten bereits in der Konzeptphase festgelegt. Früh und wiederholt zu prüfen ist deshalb der wirtschaftlichste Weg.


Quellen

  1. Saaty, T. L. – Analytic Hierarchy Process (1980), auf die Anforderungspriorisierung übertragen von J. Karlsson. Anwendung auf Produktanforderungen: Prioritization of Product Requirements using the Analytic Hierarchy Process (2012).
  2. Kano, N. et al. – Kano-Modell (1984); Überblick: Empirical research on Kano's model and customer satisfaction.
  3. Stecklein, J. M., Dabney, J. B., Dick, B. N., Haskins, B. et al. – Error Cost Escalation Through the Project Life Cycle (NASA/INCOSE, 2004).

IDEA e.U. · Determined Innovation

Sie haben ein Produkt im Kopf, aber noch keine Anforderungsliste?

Je genauer Sie beschreiben, was Sie brauchen, desto genauer können wir sagen, was es kostet.

Alles beginnt mit dem Kunden. Mit Ihrem Kunden! | IDEA